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Humboldt-Labor

Experimentieren mit den Grenzen der klassischen Universität

Eine globalisierte Welt ist durch die zunehmende Verschiebung und Verwischung von funktionalen, strukturellen und territorialen Grenzen charakterisiert. Auch die klassische Universität wird von dieser Entwicklung erfasst:

Forschung findet immer stärker außerhalb der Universitäten statt, Hochschulen sind weltweit vernetzt, konkurrieren aber auch um die besten Studierenden und Lehrenden, Wirtschaft und Politik sind eng mit der Wissenschaft verknüpft. Gleichzeitig führt die anhaltende Verwissenschaftlichung unserer Lebenswelten dazu, dass Forschung für immer mehr gesellschaftliche Bereiche relevant wird. Kurz: die klassische Universität wird grenzenlos.

Das Überwinden von Grenzen ist keineswegs neu für die klassische Universität: Das Streben nach Freiheit von Forschung und Lehre, das Streben nach Wissenschaft über Grenzen hinweg und das Festhalten an der Einheit von Forschung und Lehre sind Ideale im besten Humboldt’schen Sinne, an denen sich die klassischen Universitäten traditionell orientieren. Dennoch stellen sich folgende Fragen:

  • Welche Identität hat eine „grenzenlose“ Universität?
  • Wer definiert dann was eine Universität ausmacht?
  • Und vor allem: wie und mit welchen Konsequenzen?


Klar ist: nur Grenzen schaffen Identitäten. Sie grenzen ab was anders ist und definieren dadurch erst das Eigene. Sie bieten Struktur und Orientierung.

Am Anfang der Frage nach Universitätsreformen steht also die Überlegung, warum Grenzen bestehen. Welchen Zweck sie erfüllen und welche Funktionen sie haben – und mit welchen Konsequenzen für wen. Welche Rollen spielen dabei die verschiedenen Akteure aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und natürlich der Wissenschaft selbst?

Die Reflexion der Humboldt’schen Ideale wird so zum Experimentieren mit räumlichen, strukturellen, funktionalen und ethischen Grenzen – die klassische Universität als Ort dieser Experimente wird zum Humboldt-Labor.